Gesundheit von Lernenden

Der Schlüssel für eine erfolgreiche Berufslehre

Für zwei Drittel der Schweizer Jugendlichen stellt der Start der Lehre mit ca. 16 Jahren den Eintritt ins Berufsleben dar. Der Wechsel von reiner Schulzeit zur Doppelaufgabe aus Schule und Berufsalltag stellt viele Lernende vor Herausforderungen und erfordert neue Kompetenzen.

Es ist deshalb zentral, Jugendliche bei dieser Veränderung zu unterstützen, damit sie sich weiterentwickeln können – fachlich, aber auch in Bezug aus Selbst- und Sozialkompetenzen.

Nicht nur auf individueller Ebene hat dies positive Effekte; es wird die Basis für eine gesunde und nachhaltige berufliche Laufbahn der Arbeitskräfte der Zukunft geschaffen.

 

Gerade in dieser sensiblen Entwicklungsphase spielt neben Fach- und Sozialkompetenzen auch die Gesundheitskompetenz eine zentrale Rolle: Wer früh lernt, mit Belastungen umzugehen, Warnsignale zu erkennen und sich Unterstützung zu holen, legt den Grundstein für langfristige Leistungsfähigkeit und Lebensqualität.

Aktueller Stand

Frühe Berufswahl und steigender Druck

Gemäss Berichterstattung von SRF zur Lehrstellensuche steigt der Druck auf Jugendliche bereits früh im Prozess der Berufswahl. Die Entscheidung für eine berufliche Richtung fällt in einer Lebensphase, die ohnehin von körperlichen, psychischen und sozialen Veränderungen geprägt ist. Leistungsanforderungen in Schule und Bewerbungsprozess können Stress und Verunsicherung verstärken.

 

Psychische Gesundheit: Stolz, aber auch Belastung

Eine weitere Analyse von SRF zeigt: Viele Lernende sind stolz auf ihre Lehre, erleben Sinnhaftigkeit und Selbstwirksamkeit. Gleichzeitig berichten sie über psychische Belastungen, insbesondere durch Leistungsdruck, Konflikte im Betrieb oder Unsicherheiten bezüglich Zukunftsaussichten.

Es ist hierbei zu beachten, dass psychische Belastungen bei Lernenden häufig auftreten und Betriebe im Umgang damit oft unsicher sind. Frühzeitiges Erkennen und strukturiertes Vorgehen sind jedoch entscheidend, um Chronifizierung und Ausbildungsabbrüche zu vermeiden.

 

Gesundheit am Arbeitsplatz – ein vernachlässigtes Thema

Forschungsarbeiten der Eidgenössisches Hochschulinstitut für Berufsbildung (EHB) zeigen, dass das Thema Gesundheit im Kontext der beruflichen Grundbildung lange wenig systematisch betrachtet wurde. Zwar existieren gesetzliche Vorgaben zu Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz, doch eine umfassende Perspektive auf psychosoziale Gesundheit und Gesundheitskompetenz ist in vielen Betrieben noch nicht etabliert.

Eine Studie von WorkMed unterstreicht zudem, dass Lernende je nach Branche spezifischen körperlichen und psychischen Belastungen ausgesetzt sind. Neben klassischen Arbeitssicherheitsrisiken gewinnen Themen wie Erschöpfung, Stress und Schlafmangel an Bedeutung.

Handlungsfelder

In Anbetracht dieser Ausgangslage ist es umso wichtiger, Berufslernende nicht nur fachlich, sondern auch im Bereich Gesundheit zu unterstützen.

Folgende Ansätze helfen, die Gesundheit und die Gesundheitskompetenz von Lernenden zu stärken.

 

Psychologische Sicherheit im Betrieb fördern

Lernende benötigen ein Umfeld, in dem sie Fragen stellen, Fehler machen und Unsicherheiten ansprechen dürfen. Konkrete Massnahmen dazu können sein:

  • Schulung von Berufsbilder*innen im Umgang mit psychisch belasteten Lernenden
  • Regelmässige Standortgespräche mit Fokus auf Wohlbefinden, nicht nur Leistung
  • Klare Ansprechpersonen und definierte Prozesse bei Auffälligkeiten

 

Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) systematisch integrieren

Gesundheit darf nicht dem Zufall überlassen werden. Initiativen wie das Angebot «Apprentice» von Friendly Work Space zeigen, wie Lernende gezielt ins BGM eingebunden werden können. Erfolgsfaktoren sind:

  • Integration von Lernenden in bestehende BGM-Strukturen
  • Partizipation: Lernende aktiv einbeziehen
  • Sensibilisierung für Themen wie Schlaf, Stressregulation und Suchtprävention

 

Ein strukturiertes BGM reduziert Fehlzeiten, stärkt die Bindung an den Betrieb und erhöht die Ausbildungsqualität.

 

Gesundheitskompetenz gezielt aufbauen

Gesundheitskompetenz bedeutet, Informationen zu Gesundheit zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und im Alltag umzusetzen. Für Lernende heisst das konkret:

  • Eigene Belastungsgrenzen erkennen
  • Unterstützungssysteme kennen und nutzen
  • Selbstmanagement-Strategien entwickeln (z.B. Zeitmanagement, Erholung, Bewegung)

 

Workshops, Lernmodule oder kurze Impulsreferate im Betrieb können hier niederschwellig ansetzen. Besonders wirksam sind praxisnahe Formate mit Bezug zum Berufsalltag.

 

Übergänge professionell begleiten

Der Einstieg in die Lehre ist ein kritischer Übergang. Ein strukturiertes Onboarding, Mentoring-Programme und eine enge Begleitung im ersten Lehrjahr reduzieren nachweislich Stress und Abbruchrisiken. Gerade in der sensiblen Phase zwischen Schule und Arbeitswelt ist Orientierung ein zentraler Gesundheitsfaktor.

Auch ein Tag für Berufseinsteiger*innen kann hierzu ein hilfreiches Angebot sein.

Unsere Empfehlung

Gesunde Lernende sind kein «Nice-to-have», sondern eine Investition in die Fachkräfte von morgen – und damit in die Zukunftsfähigkeit unserer Betriebe.

  1. Die Lehre ist eine sensible Entwicklungsphase, gesundheitlich wie beruflich.
    Jugendliche befinden sich gleichzeitig in einer biologischen, psychischen und sozialen Umbruchphase. Betriebe tragen hier Mitverantwortung.
  2. Psychische Gesundheit gehört ins Zentrum der Berufsbildung.
    Stolz und Motivation sind gross, doch ebenso Leistungsdruck und Erschöpfung. Frühzeitige Sensibilisierung und klare Prozesse zahlen sich deshalb umso aus.
  3. Gesundheitskompetenz ist Zukunftskompetenz.
    Wer bereits in der Lehre lernt, mit Belastungen konstruktiv umzugehen, stärkt nicht nur die eigene Resilienz, sondern auch die nachhaltige Leistungsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft.

Gerne unterstützen wir Sie und Ihren Betrieb bei der Entwicklung und Umsetzung von gezielten Angeboten für Berufslernende.

Quellen:

SRF. (2023, 3. August). Frühe Berufswahl: Der Druck auf Teenager bei der Lehrstellensuche steigt. https://www.srf.ch/news/schweiz/fruehe-berufswahl-der-druck-auf-teenager-bei-der-lehrstellensuche-steigt

Gesundheitsförderung Schweiz. (2023). Umgang mit psychisch belasteten Lernenden im Betrieb – Handlungsempfehlungen (Faktenblatt 080b). https://gesundheitsfoerderung.ch/sites/default/files/2023-05/Faktenblatt_080b_GFCH_2023-04_-_Umgang%20mit%20psychisch%20belasteten%20Lernenden%20im%20Betrieb%20-%20Handlungsempfehlungen.pdf

Eidgenössisches Hochschulinstitut für Berufsbildung (EHB). (o. J.). Gesundheit am Arbeitsplatz – ein vernachlässigtes Thema der beruflichen Grundbildung. https://www.ehb.swiss/forschung/projekte/gesundheit-am-arbeitsplatz-ein-vernachlaessigtes-thema-der-beruflichen

WorkMed. (o. J.). Studie: Gesundheit von Lernenden in der Schweiz [Bericht]. https://workmed.ch/wp-content/uploads/bericht-studie-lernende-de.pdf

SRF. (2024, 16. Januar). Psychische Gesundheit Lernende: Die Lehre macht Jugendliche in der Schweiz stolz. https://www.srf.ch/news/wirtschaft/psychische-gesundheit-lernende-die-lehre-macht-jugendliche-in-der-schweiz-stolz

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