Weshalb Gesundheit im Unternehmen für alle wichtig ist.
Die Bevölkerung wird älter – und gleichzeitig bleiben viele Menschen länger im Erwerbsleben. Mitarbeitende über 50 bringen wertvolle Erfahrung, Fachwissen und soziale Kompetenzen mit. Dennoch verändert sich mit zunehmendem Alter auch die Gesundheit, sei es körperlich, psychisch oder sozial.
Für Unternehmen wird es deshalb immer wichtiger, die Gesundheit von Mitarbeitenden 50+ gezielt zu fördern. Ein gutes Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) trägt dazu bei, Arbeitsfähigkeit, Motivation und Lebensqualität langfristig zu erhalten und Fachkräfte im Unternehmen zu halten.
Wie gesund sind Personen 50+ heute?
Grundsätzlich gilt: Viele Menschen über 50 fühlen sich gesund und leistungsfähig. Laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) steigt jedoch mit zunehmendem Alter das Risiko für chronische Erkrankungen, Bewegungseinschränkungen und Mehrfacherkrankungen.
Besonders häufig sind:
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Diabetes Typ 2
- Muskelabbau (Sarkopenie)
- Beschwerden des Bewegungsapparats
- Schlafprobleme
- psychische Belastungen wie Einsamkeit oder Stress
Gleichzeitig zeigen Studien, dass Gesundheit im Alter stark beeinflussbar ist. Bewegung, Ernährung, soziale Teilhabe und Prävention haben einen grossen Einfluss darauf, wie gesund Menschen altern (National Institute on Aging)
Warum ist das gesellschaftlich und für Arbeitgebende relevant?
Die demografische Entwicklung verändert den Arbeitsmarkt nachhaltig. In der Schweiz steigt der Anteil älterer Erwerbstätiger kontinuierlich (Bundesamt für Statistik). Gleichzeitig verschärft sich der Fachkräftemangel.
Gesunde Mitarbeitende 50+ sind deshalb ein zentraler Erfolgsfaktor für Unternehmen.
Gesellschaftliche Relevanz
Eine gute Gesundheit im Alter reduziert Gesundheitskosten, fördert Selbstständigkeit und stärkt soziale Teilhabe. Prävention gewinnt zunehmend an Bedeutung, da viele chronische Erkrankungen beeinflussbar sind.
Bedeutung für Unternehmen
Unternehmen profitieren mehrfach von gesundheitsförderlichen Massnahmen:
- geringere Absenzen
- höhere Arbeitsfähigkeit
- längerer Verbleib im Unternehmen
- Wissenserhalt
- stärkere Arbeitgeberattraktivität
- bessere Motivation und Bindung
Gerade ältere Mitarbeitende verfügen oft über hohe Loyalität und wertvolle Erfahrung. Gesundheitsförderung ist daher auch eine Investition in Stabilität und Know-how.
Handlungsfelder im Betrieblichen Gesundheitsmanagement
Wie können Unternehmen die Gesundheit von Mitarbeitenden 50+ konkret stärken? Entscheidend ist ein ganzheitlicher Ansatz.
1.Bewegung und Muskelgesundheit fördern
Ab dem 50. Lebensjahr nimmt die Muskelmasse natürlicherweise ab (Wilkson et al.). Dieser Prozess kann jedoch deutlich verlangsamt werden (Bloch-Ibenfeldt M et al.).
Regelmässige Bewegung und gezieltes Krafttraining fördern:
- Muskelkraft
- Gleichgewicht
- Belastbarkeit
- Sturzprävention
- mentale Gesundheit
Bewegung im betrieblichen Alltag lässt sich auf vielfältige Weise fördern. Besonders wirkungsvoll sind kurze bewegte Pausen, die den Arbeitsfluss nicht unterbrechen und dennoch für spürbare Entlastung sorgen. Ebenso tragen ergonomisch gestaltete Arbeitsplätze dazu bei, den Körper zu unterstützen und einseitige Belastungen zu reduzieren. Ergänzend können Trainingsangebote integriert werden, die Mitarbeitenden zusätzliche Möglichkeiten bieten, ihre körperliche Aktivität zu steigern. Auch Steh- und Gehoptionen während der Arbeit erleichtern es, mehr Bewegung in den Tag einzubauen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Sensibilisierung für Alltagsbewegung, damit kleine, leicht umsetzbare Aktivitäten bewusst wahrgenommen und genutzt werden. Entscheidend ist, dass alle Massnahmen niederschwellig gestaltet sind und sich unkompliziert in den Arbeitsalltag integrieren lassen.
2.Prävention und Vorsorge stärken
Viele Erkrankungen entwickeln sich langsam und bleiben zunächst unbemerkt. Vorsorgeuntersuchungen wie Blutdruckkontrollen, Diabetes‑Screenings, Darmkrebsvorsorge, Herz‑Kreislauf‑Checks und Impfberatung helfen dabei, Risiken frühzeitig zu erkennen. Unternehmen können diese Prävention unterstützen, indem sie Gesundheitschecks anbieten, Informationskampagnen durchführen, mit Fachpersonen zusammenarbeiten und die Bedeutung der Früherkennung vermitteln. Entscheidend bleibt ein gesundheitskompetenter Umgang mit Informationen, der sachlich informiert, motiviert und ohne Angst arbeitet.
3.Psychische Gesundheit stärken
Psychische Belastungen verändern sich mit zunehmendem Alter und können durch Themen wie Zukunftssorgen, die Pflege von Angehörigen oder berufliche Veränderungen entstehen. Hilfreich sind eine wertschätzende Führung, die Orientierung und Sicherheit gibt, sowie flexible Arbeitsmodelle, die individuelle Lebenssituationen berücksichtigen. Auch altersdurchmischte Teams tragen dazu bei, unterschiedliche Perspektiven zu verbinden und soziale Unterstützung zu stärken. Zusätzlich wirkt die Förderung sozialer Kontakte entlastend, da Austausch und Gemeinschaft das Wohlbefinden steigern. Ergänzend können Angebote zu Stressmanagement und Resilienz helfen, Belastungen besser zu bewältigen. Psychische Gesundheit sollte dabei genauso selbstverständlich berücksichtigt werden wie körperliche Gesundheit.
4.Arbeitsbedingungen altersgerecht gestalten
Nicht alle Mitarbeitenden altern auf die gleiche Weise, weshalb flexible Lösungen wichtiger sind als pauschale Annahmen. Eine ergonomische Arbeitsplatzgestaltung unterstützt unterschiedliche körperliche Bedürfnisse, während flexible Arbeitszeiten und Teilzeitmodelle helfen, individuelle Lebenssituationen besser zu berücksichtigen. Ebenso trägt eine angepasste Belastungssteuerung dazu bei, Überforderung zu vermeiden und langfristige Gesundheit zu fördern. Der Wissenstransfer zwischen Generationen stärkt zudem die Zusammenarbeit und nutzt die Stärken aller Altersgruppen. Ziel ist dabei nicht Schonung, sondern eine nachhaltige Leistungsfähigkeit über alle Lebensphasen hinweg.
Unsere Empfehlung
1. Gesundheit 50+ ist kein Randthema.
Die Generation 50+ wird für Unternehmen zunehmend zentral. Wer heute in gesundes Altern investiert, stärkt langfristig Arbeitsfähigkeit und Fachkräftebindung.
2. Prävention wirkt – auch im höheren Alter.
Bewegung, Vorsorge und psychosoziale Gesundheit haben einen grossen Einfluss auf die Lebensqualität und Leistungsfähigkeit älterer Mitarbeitender.
3. Erfolgreiches BGM denkt individuell statt stereotyp.
Menschen über 50 sind keine homogene Gruppe. Wirksame Gesundheitsförderung berücksichtigt unterschiedliche Lebenssituationen, Ressourcen und Belastungen.
Möchten Sie die Gesundheit Ihrer Mitarbeitenden gezielt stärken? Gerne stehen wir Ihnen zur Seite mit Workshops, Check-ups oder Beratung zum Thema BGM.
Quellen:
Assura: Gesundheit nach 50, https://www.assura.ch/de/gesundheit/begleitung/nach-50
Bloch-Ibenfeldt M, Theil Gates A, Karlog K, Demnitz N, Kjaer M, Boraxbekk C. Heavy resistance training at retirement age induces 4-year lasting beneficial effects in muscle strength: a long-term follow-up of an RCT. BMJ Open Sport & Exercise Medicine. 2024;10:e001899. https://doi.org/10.1136/bmjsem-2024-001899
Bundesamt für Gesundheit (BAG): Faktenblatt Gesundheit der älteren Bevölkerung https://www.bag.admin.ch/dam/de/sd-web/Ba9kph7vwHMn/faktenblatt-gesundheit-aeltere-bevoelkerung.pdf
Bundesamt für Statistik (BFS): Erwärbstätigkeit nach Alter
https://www.nia.nih.gov/health/healthy-aging/what-do-we-know-about-healthy-aging
National Institute on Aging (NIH): What Do We Know About Healthy Aging
SRF: Vorsorgeuntersuchungen – welche Check-ups machen Sinn? https://www.srf.ch/wissen/gesundheit/gesundheit-frueh-sichern-vorsorgeuntersuchungen-welche-checkups-machen-sinn
Universitätsspital Zürich (USZ): Förderung der Muskelgesundheit 50+ https://www.usz.ch/app/uploads/2021/01/Fo%CC%88rderung_Muskelgesundheit50.pdf
Wilkinson, D. J., Piasecki, M., & Atherton, P. J. (2018). The age-related loss of skeletal muscle mass and function: Measurement and physiology of muscle fibre atrophy and muscle fibre loss in humans. Ageing research reviews, 47, 123–132. https://doi.org/10.1016/j.arr.2018.07.005