Arbeit aktiv gestalten für mehr Sinn, Gesundheit und Engagement
Arbeitsverdichtung, steigende Komplexität und der Wunsch nach Sinnhaftigkeit prägen den modernen Arbeitsalltag. Viele Beschäftigte fragen sich: Wie kann ich meine Arbeit so gestalten, dass sie mir guttut, und dabei gleichzeitig leistungsfähig bleiben?
Eine wissenschaftlich fundierte Antwort darauf liefert das Job Crafting. Statt Arbeit als starres Konstrukt zu verstehen, rückt Job Crafting die aktive Mitgestaltung der eigenen Tätigkeit in den Fokus. Für das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) ist Job Crafting ein wirkungsvoller Ansatz, um die Passung zwischen Arbeit und Arbeitnehmer*in zu gewährleisten und somit die psychische Gesundheit sowie die Motivation nachhaltig zu fördern.
Was ist Job Crafting?
Der Begriff Job Crafting beschreibt den proaktiven Prozess, bei welchem Mitarbeitende ihre Arbeit aktiv anpassen, sodass sie besser zu ihren Stärken, Bedürfnissen und Werten passt. Ziel ist es, mehr Sinn in der Arbeit zu erleben, denn dies stärkt Ressourcen und reduziert Belastungen.
In der Forschung werden drei zentrale Formen unterschieden:
- Task Crafting: Anpassung der Aufgaben
Mitarbeitende verändern Art, Umfang oder Reihenfolge ihrer Tätigkeiten, z. B. durch stärkere Nutzung eigener Kompetenzen oder das Übernehmen sinnvoller Zusatzaufgaben. - Relational Crafting: Gestaltung von Beziehungen
Bewusste Veränderung der Zusammenarbeit, etwa durch intensiveren Austausch mit bestimmten Kolleg*innen oder Kund*innen. - Cognitive Crafting: Veränderung der Arbeitswahrnehmung
Die eigene Arbeit wird gedanklich neu eingeordnet, z.B. indem der gesellschaftliche Nutzen oder der Beitrag zum Gesamterfolg stärker wahrgenommen wird.
Aktuelle Übersichtsarbeiten zeigen deutlich: Job Crafting steht in Zusammenhang mit höherem Wohlbefinden, mehr Arbeitsengagement, besserer Leistung sowie geringerer emotionaler Erschöpfung. Gleichzeitig steigt der wahrgenommene Sinn der Arbeit und der Person-Job-Fit, also die Passung zwischen Person und Arbeit. Dies sind alles Effekte, die über mehrere Monate stabil bleiben (Demerouti, 2025).
Ansätze zur praktischen Umsetzung im BGM
Job Crafting ist kein individuelles „Optimierungsprojekt“, sondern entfaltet seine Wirkung besonders dann, wenn es strukturiert und begleitet umgesetzt wird.
Reflexion ermöglichen
Ein zentraler erster Schritt ist die bewusste Auseinandersetzung mit der eigenen Arbeit:
- Welche Aufgaben geben mir Energie, welche rauben sie mir?
- Wo liegen meine Stärken und Werte?
- Welche Gestaltungsspielräume habe ich bereits?
Digitale Tools wie das Crafting Playbook oder strukturierte Workshops unterstützen diese Reflexion systematisch.
Das Crafting Playbook findest du hier.
Kleine Veränderungen fördern
Job Crafting wirkt bereits durch kleine, realistische Anpassungen im Arbeitsalltag. Entscheidend ist nicht der grosse Umbau, sondern die kontinuierliche Feinjustierung: So können etwa das bewusste Einplanen ressourcenstärkender Tätigkeiten oder der gezielte Austausch im Team bereits positive Effekte zeigen.
Führungskräfte einbinden
Studien zeigen: Unterstützende Führung, regelmässiges Feedback und ein Klima von Vertrauen sind zentrale Voraussetzungen für wirksames Job Crafting. Die Führungskräfte spielen eine Schlüsselrolle, indem sie Gestaltungsspielräume ermöglichen und Orientierung geben.
Team Crafting berücksichtigen
Neuere Forschung betont zunehmend die Bedeutung von Team Crafting. Wenn Teams gemeinsam reflektieren, wie Aufgaben, Rollen und Zusammenarbeit gestaltet werden, lassen sich individuelle Bedürfnisse und Teamziele besser in Einklang bringen und Risiken wie selbstzentriertes Crafting vermeiden.
Risiken bewusst adressieren
Job Crafting ist kein Allheilmittel. Zu viel Eigenoptimierung kann zu Überlastung („Overcrafting“) oder Rollenkonflikten führen. Eine klare Einbettung in bestehende Strukturen und der Austausch im Team wirken hier präventiv.
Unsere Empfehlung
- Job Crafting stärkt Gesundheit und Sinn.
Wer seine Arbeit aktiv mitgestaltet, erlebt mehr Wohlbefinden, Engagement und Sinn bei gleichzeitig geringerer psychischer Belastung. - Wirksamkeit braucht Rahmenbedingungen.
Proaktivität, Feedback, unterstützende Führung und ein vertrauensvolles Teamklima sind entscheidend für nachhaltige Effekte. - BGM profitiert von strukturierten Ansätzen
Workshops, digitale Interventionen und Team-Crafting-Formate machen Job Crafting skalierbar und wirksam für Organisationen.
Gerne unterstützen wir dich und dein Unternehmen beim Aufbau von strukturierten BGM-Massnahmen oder mit praxisnahen und wissenschaftlich fundierten Workshops.
Quellen:
Demerouti, E. (2025). Job Crafting: Advances and Future Directions. Annual Review of Organizational Psychology and Organizational Behavior.
Jenny, G. (2025). Job Crafting – Forschung und Praxis. Präsentation BGM-Tagung Schweiz.
BGM Zürich (2024). Job Crafting in der Praxis.
Crafting Playbook (2024). Digitale Job-Crafting-Interventionen.
Podcast: Job Crafting – Arbeit aktiv gestalten (Podbean).
Magazin Arbeitssicherheit Schweiz (Juni 2025): Jahresschwerpunkt Psychische Gesundheit – Job Crafting.